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jensinberlin

jensinberlin
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17.01.2012 19:21

da stimmen die meisten leute spontan zu

fahrradfahren ist gesund.
diesen satz gut könnte man gut und gerne so stehen lassen, ist doch die aussage, die er macht, dermassen konsens, dass meine mutter, mein bester freund und dessen kumpel, die nachbarin mit dem dicken hintern und der typ, der sich neulich mit mir streiten wollte, ihn unterschreiben.
sogar ich. und das internationale transportforum.

diese der oecd unterstellte und eng mit der eu zusammenarbeitende organisation mit ihrem etwas albernen namen ist nach eigener defintition ein think tank. macht also öffentlichkeitsarbeit. darum pflichtet sie dem satz vom fahrradfahren nicht einfach bei, sie verlautbart und inszeniert ihn. was ihr nicht schwerfällt. sie fügt also hinzu, dass fahrradfahren das herz-kreislauf-system belebt – wen wundert ´s? - dass es aber auch – das ist schon bemerkenswerter - das risiko reduziert, an diabetes, bluthochdruck oder krebs zu erkranken.

so ein think tank transportforum verfügt über viele zahlen. die stehen in allen möglichen studien. aus ihnen leitet das transportforum dann ab: mehr fahrradfahren ist weniger krebs. dürfen wir das genauer wissen, wieviel mehr fahrradfahren ist wieviel weniger krebs? das sagt uns das transportforum nicht.

dafür sagt es etwas anderes sehr wichtiges. es sagt nämlich, dass es ganz genau ausgerechnet hat, dass bei einer investition von nur einem euro in fahrradinfrastruktur ein volkswirtschaftlicher gewinn von drei bis vier euro herausspringt. weil dann mehr leute fahrrad fahren und wenn das mehr leute machen – auch das eine evidenz aus studien - ist der krankenstand geringer und die leute bleiben länger fit.

mir persönlich ist eine solche sicht auf die dinge im allgemeinen, auf mein fahrrad im speziellen und die volkswirtschaft, in der ich mal mehr und mal weniger herumradle, sehr egal. ich bin es nicht gewohnt, mein zusammenleben mit mir und euch in zahlen zu packen und nach wirtschaftlichen kriterien auszurichten. für die controller unserer totalverwirtschaftung mag das anders sein.

vor allem aber werden diese und andere zahlen dazu benutzt, der angst vor dem leeren geldbeutel eine rechtfertigung mit auf ihrem weg durch die öffentlichkeit zu geben.

so argumentieren befürworter einer abs-pflicht mit den volkwirtschaftlichen kosten, die entstehen, wenn jemand selbstbestimmt auf seine schnauze fällt. selbst in den motorradforen und in emails an mich ist das teilweise so zu lesen; nur heisst volkswirtschaft hier meist schlicht allgemeinheit, die dafür aufkommen muss, manchmal auch ganz direkt: „warum soll ich dafür bezahlen?“

schlüpfe ich nur mal für eine knappe minute in eine dieser engen krämerseelen und inspiziere den volkswirtschaftlichen schaden, der entstanden ist, weil einer auf die schnauze fiel, oder zu wenig herumradelte, womöglich auch zu viel rauchte oder soff, kommen mir zweifel an der seriosität der rechnerei.
bei einem verkehrsunfall zum beispiel werden reproduktionskosten veranschlagt für maßnahmen aller art, um eine situation wie vor dem unfall herzustellen, ressourcenausfallkosten werden berechnet, weil verletzte oder getötete personen kein sozialprodukt mehr erwirtschaften, sachkapital wie zum beispiel motorräder zerstört sind oder lieferwagen nicht mehr dem produktionsprozess zur verfügung stehen. zudem werden ressourcenverluste durch personenschäden, sogenannte humanitäre kosten, mit einbezogen.

was jedoch nicht gemacht wird, was bei all diesen in die mediale welt geworfenen zahlen noch nicht einmal ansatzweise berücksichtigt wird, sind die einnahmen, die aus unfällen oder auch aus einem sogenannten ungesunden lebenswandel entstehen. das neue fahrzeug, das angeschafft wird, generiert sozialprodukt, genauso wie das auch rehamassnahmen oder die herstellung prothetischer hilfsmittel tun. am suff hat die eckkneipe ein paar jahrzehnte lang gut verdient,
genauso wie die brauerei und die schnapdestille.

ist es nicht merkwürdig, wenn derlei einnahmen den kosten nicht gegenüber gestellt werden, kein saldo gebildet wird? das zu tun ist doch das kleine einmaleins kaufmännischen rechnens, grundlage jeder buchführung, essentieller bestandteil unserer marktwirtschaft.
zudem - mĂĽsste man beim blick auf die oben genannten kosten durch einen verkehrsunfall nicht auch jene in betracht ziehen, die nicht anfallen, weil eine person zum beispiel nicht mehr lebt und sie deshalb nicht mehr in einer studie auftaucht, die aus dem zusammenhang von alter und gesundheit einen kostenfaktor herleitet?

meine minute in der welt der kostenhöker ist längst rum, an der klaren frischen luft ist es ein leichtes, in diesen wie tiraden auf uns einprasselnden zahlen nichts weiter zu sehen, als einen versuch von partikularinteressen, kosten anderen aufzubürden, sie im system zu ihren gunsten umzuverteilen. und damit auch noch geld zu verdienen.

die chance dazu stehen ganz gut. die schriftstellerin und juristen juli zeh in einem gespräch auf deutschlandfunk vom 8.1.12:

(...) da stimmen die meisten leute spontan zu (...)


http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/01/08/dlf_20120108_1745_768d821d.mp3

Editiert von jensinberlin - 18.01.2012 14:10


gegen eine abs pflicht,
fĂĽr eine freie, autonome entscheidung...

und fĂĽr die freie benzinrede am italienerstammtisch,
jeden 1. mittwoch eines monats im berliner meilenwerk
www.antifah.de

 
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